Tollkirsche

Atropa belladonna

Solanaceae

Weitere Namen

Tollkirsche, Belladonna, Chrottebeeri, Wut-, Wolfs-, Teufels- oder Schlafkirsche

Droge

Folium – Blatt

Beschreibung

Die mehrjährige Staude hat eine sehr lange verzweigte Pfahlwurzel. Aus ihr wachsen jährlich mehrere aufrechte, verästelte Stengel bis zu 150 cm hoch. Die eiförmig-lanzettlichen Blätter sind ganzrandig und gestielt, je ein grosses und kleines Blatt stehen zusammen, dazwischen entspringt eine lang gestielte glockige, braunviolette Blüte, innen mit zurückgebogenem 5-teiligem Rand. Die Frucht ist eine kirschgrosse, schwarzglänzende Beere (sehr giftig), geziert von 5 grünen Kelchblättern.

Vorkommen

Heimisch in Mittel- und Südeuropa und Kleinasien; verbreitet über Westeuropa bis in den Iran und über ganz Nordafrika.

Garten

Vermehrung durch Stecklinge von Schösslingen oder Ableger vom Wurzelstock im Frühling. Anbaugebiete in Süd- und Osteuropa, Nordamerika und Brasilien.

Zubereitung

Die Blatt- oder Wurzeldroge ist wegen der geringen therapeutischen Breite nur auf ärztliche Verordnung zu verwenden. 3-5 der kirschenartigen Früchte sind für ein Kind tödlich!

Wirkstoffe

Tropanalkaloide: Hyoscyamin (Atropin), Scopolamin, Tropin (0. 1 und 10%), Nicotin, Pyridin; Flavonoide; Cumarine; organische Säuren

Wirkung und Anwendung

Die Wirkung der Tollkirsche wird durch die Tropanalkaloide bestimmt. Die pupillenerweiternde Eigenschaft verunmöglicht eine Scharfstellung des Auges für Stunden bis Tage. Diese Wirkung wird bei Augenoperationen ausgenutzt. Tropanalkaloide erweitern die Bronchien, wenn ein asthmatischer Husten vorliegt und lösen Magen-Darm-Krämpfe. Im zentralen Nervensystem wirken sie gegen die Symptome der Parkinsonkrankheit und gegen Brechreiz (Reisekrankheit). Sie lahmen die sensiblen Nervenendigungen und verursachen ein Trockenheitsgefühl im Mund. (=parasympatholytische Wirkung).

Phytopharmaka

Als Blattdroge nicht gebräuchlich. In der Augenheilkunde werden Atropintropfen (isolierter Wirkstoff) verwendet.

Geschichte/Volksmedizin

Die Tollkirsche wird von alters her als Giftpflanze gefürchtet und als Hexenkraut (Hexensalben, Räucherstoff) dämonisiert. Der Gattungsname leitet sich von Atropos (=die Grausame, Unerbittliche) ab, „belladonna“ weist auf die pupillenerweiternde Wirkung hin: „Grosse, schwarze Augen lassen Frauen schöner erscheinen!“

Weitere Links

Wikipedia

Pharmawiki

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Literatur

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